Wir haben es geschafft - Wir sind zertifizierte Fairtrade Schule!

Die Zeitung hat über den Tag der Zertifizierung berichtet:

Die Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter darf sich ab sofort „Fairtrade Schule“ nennen. Während einer Feierstunde übergab Fairtrade-Botschafterin Elisabeth Kroier gestern das Zertifikat.

Von Karin Wunsam

Westerndorf St. Peter – deutschlandweit wurden bereits 490 Schulen zertifiziert. In Rosenheim ist die Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter die zweite Bildungseinrichtung, die sich offiziell „Fairtrade-Schule“ nennen darf.

Judith Kley-Stephan, Lehrerin und Stadträtin, hatte den Stein ins Rollen gebracht. Am Anfang herrschte bei einigen ihrer Kollegen noch Skepsis, wie Schulleiter Robert Mayr bei der Feier erzählte: „Ehrlich gesagt, habe ich das Projekt zu Beginn nicht weiter ernsthaft verfolgt. Ich dachte, wahrscheinlich ist die ganze Geschichte ein kurzes Aufflackern und verläuft sich dann wieder“.

Robert Mayr hat sich getäuscht. Vor einem Jahr wurde eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen. Diese machte dann mit einer ganzen Reihe von Projekten auf den „fairen Handel“ aufmerksam: Es gab Unterrichtsstunden zum Thema. Außerdem wurden faire Rosen, fairer Schokolade und faires Pausenbrot verkauft. Im Lehrerzimmer wird seitdem nur noch fairer Kaffee ausgeschenkt.

Nach und veränderte sich in der Lehrerschaft das Bewusstsein. „Jetzt wird sich im Lehrerzimmer auch mal darüber unterhalten, wo man faire Kleidung kaufen kann“, erzählt Judith Kley-Stephan.

Die Schüler waren von Anfang an mit Feuereifer dabei. „Es war schön zu sehen, wie leicht die Schüler aus allen Jahrgangsstufen dafür zu begeistern waren und wie sie, sobald was los war, auch nachhaltig für die Fairtrade-Bewegung eintraten“, so Schulleiter Mayr. Mit dieser Begeisterung hätten sie dann auch den einen oder anderen Kollegen, der zu dieser Entwicklung noch eine eher skeptische oder gleichgültige Haltung hatte, mitgerissen.

Die Kriterien mehr als erfüllt

Um zur Fairtrade-Schule ernannt zu werden, müssen fünf Kriterien erfüllt werden: Gründung eines Fairtrade-Schulteams, Erstellen eines Fairtrade-Kompasses, Verkauf und Verzehr von fair gehandelten Produkten an der Schule, in mindestens zwei Klassenstufen muss in mindestens zwei unterschiedlichen Fächern der Faire Handel im Unterricht behandelt werden und mindestens einmal im Schuljahr muss es eine Schulaktion zum Thema geben. „Die Schule hat diese Kriterien mehr als erfüllt“, lobte Fairtrade-Botschafterin Elisabeth Kroier das Engagement der Schüler und Lehrer. Anerkennung kam auch von der Dritten Bürgermeisterin Dr. Beate Burkl, die zugleich auch Erste Vorsitzende des Fairtrade-Vereins der Stadt Rosenheim ist.

Die Schüler umrahmten die Feierstunde mit Liedern, Tänzen und einem Dialog zum fairen Handel.

Die Auszeichnung ist nicht nur Bestätigung, sondern auch Herausforderung, den eingeschlagenen Weg in Zukunft konsequent weiterzugehen, hieß es während des Festaktes. In zwei Jahren wird überprüft, inwieweit der faire Handel in der Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter noch Bestand hat. „Ich glaube inzwischen, die Sache ist es wert“, so Robert Mayr. Der Schulgemeinschaft sei bewusst, dass die Feier nicht der Schlusspunkt der Aktionen sei, sondern viel mehr Zwischenschritt und Motivation, die Schule nach und nach ein bisschen fairer zu machen: „Dies werden wir allen Beteiligten auch immer wieder ins Gedächtnis rufen“.

Vortrag: Faire Handys - faire Kleidung

Als Referentin von „Fairtrade Deutschland“ begrüßte Frau Krojer die Schülerinnen zu einem Vortrag in der Aula zum Thema Fairer Handel mit den Schwerpunktthemen Textilen und Handys. In zwei Schichten fanden sich zunächst die  4.-6. Und anschließend die 7.-9. Klassen  der Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter ein.

Die offensichtlich ungleichen Lebensbedingungen auf der Nord- und Südhalbkugel der Erde sind Anlass sich für den fairen Handel zu engagieren. Der faire Handel stellt den Menschen in den Mittelpunkt und setzt Maßstäbe im sozialen, ökologischen und ökonomischen Bereich, die das Leben der Kleinbauern langfristig verbessern sollen. Zu den Kriterien des fairen Handels gehören stabile Mindestpreise, langfristige Lieferverträge ebenso wie ein Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit. Mit den erzielten Prämiengeldern werden darüber hinaus Schulen oder Brunnen gebaut. Sehr wichtig ist auch die Einhaltung von Umweltstandards bei der Produktion.

Nach den Grundlagen zum Fairen Handel ging Frau Krojer auf die Schwerpunktthemen Kleidung und Handys ein. Zunächst zeigte sie den Schülerinnen und Schülern anhand eines kurzen Videoclips die aktuelle Problematik bei der Gewinnung von Rohstoffen für Handys auf, bei denen häufig Kindern unter unmenschlichen Bedingungen in Mienen arbeiten. Erstaunt erfuhren die Schülerinnen, dass es als Alternative auch fair hergestellte Smartphones gibt. Frau Krojer gab den interessierten Schülerinnen und Schüler während des Vortrags auch immer wieder Gelegenheit, sich aktiv in das Thema mit einzubringen. Als Anregung für die Schule wurde die Handyaktion Bayern vorgestellt. Hierbei werden gebrauchte Handys gesammelt, die wertvollen Rohstoffe umweltfreundlich recycelt, und mit dem Erlös Bildungsprojekte gefördert.

Das zweite Schwerpunktthema Textilen war ebenfalls auf die jungen Zuhörer zugeschnitten. Als Einstieg in das Thema diente ein beeindruckender Filmclip. Dieser veranschaulichte die katastrophale Arbeitssituation in der traditionellen Textilindustrie sowie die negativen Auswirkungen auf die Umwelt.

Frau Krojer erläuterte die Folgen der „Fast Fashion“, die auf billigst hergestellte Kleidung setzt. Die rund 30 Millionen Arbeiter in der Textilindustrie, zu etwa 90 % Frauen, werden immer wieder Opfer von Unfällen. Auch hierbei stellt die faire Produktion eine Alternative dar. Verschiedene Textilien aus fairer Produktion lagen ebenso wie ein echter Baumwollzweig zum Anschauen bereit.

Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung konnten sich die Kinder und Jugendlichen am Infotisch noch Informationsmaterial und einen Fairtrade-Sammelpass mitnehmen.

Schritt für Schritt in Richtung Fairtraide Schule

Fairtrade liegt im Trend! – Rosenheim wird Fairtrade Stadt und die Schule Westerndorf macht mit.

 

Die Grund- und Mittelschule Westerndorf St. Peter bewirbt sich im Moment um den Titel "Fairtrade-Schule." Diese Auszeichnung bekommen Schulen, die sich für den fairen Handel einsetzen. Zunächst wird mit den Schülern geklärt, was dieser Begriff bedeutet und was jeder Einzelne für den fairen Handel tun kann. Dank der Fair Trade Steuerungsgruppe aus fünf Lehrerinnen der Grund – und Mittelschule, wird auch im Unterricht verstärkt auf das Thema eingegangen. Es werden zum einen verschiedene Themen behandelt, zum anderen führen die Kinder einige Aktionen zum Thema durch, was mit tatkräftiger Unterstützung der Schülerinnen und Schüler der Steuerungsgruppe ermöglicht wird.

 

Unsere Aktionen:

  • Am Valentinstag 2016 fand bereits ein Rosenverkauf mit fair gehandelten Rosen statt. Einmal im Monat gibt es einen Schülerpausenverkauf, bei dem die Schülerinnen und Schüler faire Pausensnacks wie Bananen, Bananenmilch mit regionaler Biomilch, Fruchtriegel und frische Waffeln aus fairen Rohstoffen erwerben können. Auch der reguläre Pausenverkauf hat fair gehandelte Produkte ins Sortiment aufgenommen.
  • Bei der Zertifizierungsfeier der Stadt Rosenheim am 30. September 2016, wurde als Aktion in der "fairen Woche", das Rahmenprogramm auch von Schülern der Grundschule Westerndorf St. Peter mitgestaltet. Die Besucherinnen und Besucher hatten an diesem Nachmittag auch die Möglichkeit, Fairtrade-Produkte kennen zu lernen.  
  • Am 6. Dezember pünktlich zu Nikolaus startete die von der Steuerungsgruppe geplante Aktion "fairschicke einen Nikolaus". Die Nikoläuse, welche in der Grund-, und Mittelschule gekauft und an Freunde verschickt werden konnten trugen das Label "fair" und wurden von der Firma Dengel aus dem Landkreis Rosenheim hergestellt. Mit über 200 verkauften Nikoläusen eine gelungene Aktion!

 

Mehr Informationen zum Thema "Fairtraide" von Schülern zusammengestellt

Im Rahmen eines Übungsprojekts zur Projektprüfung haben sich die Schüler der 8. Klassen mit dem Thema Fairtrade auseinandergesetzt und hierzu Präsentationen erstellt.